Eckart Hahn

Eckart Hahns Szenarien weisen in den Raum zwischen Wachsein und Traum, in dem wir nicht mehr steuern, welche Wege unser Bewußtsein einschlägt. Den Zugang zu seiner Zwischenwelt findet der Künstler durch Bezüge, die vertraut erscheinen, deren Zusammenklang indes verstört. Kontextuelle Fallen, Fehler und Durchbrüche führen zu den bewegenden Motiven seines Imaginariums.
 
Die Eindringlichkeit der Arbeiten Eckart Hahns resultiert aus der Sorgfalt, mit welcher der Künstler seine Motive findet, analysiert und ins Werk setzt. Für seine Malerei verwendet Hahn eine virtuose Lasurtechnik; er walzt, schabloniert und malt mit feinsten Pinseln. Die Resultate sind altmeisterlich in der Umsetzung und hyperaktuell in ihrer Präsenz und Unmittelbarkeit.
 
Immer häufiger entwirft der Künstler dreidimensionale Szenarien, die mehr sind als „Skulpturen“ oder „Objekte“: Fortsetzung der Malerei mit anderen Mitteln. Diese Arbeiten lassen sich mit Bühnenbildern vergleichen, die keine Akteure mehr benötigen, weil sie allein spielen. Sie sind ebenso perfektionistisch umgesetzt wie die Malerei. Für ihre Herstellung verwendet der Künstler neue Technologien ebenso wie tradierte handwerkliche Techniken.
 
Eckart Hahn wurde 1971 in Freiburg/ Breisgau geboren. Er absolvierte ein Grundbildungsjahr in Photographie an der Johannes-Gutenberg-Schule in Stuttgart und belegte von 1991 bis 1993 Kunstgeschichte an der Eberhardt-Karl-Universität Tübingen. 1995 kehrte er nach Stuttgart zurück und studierte an der Johannes-Gutenberg-Schule bis 1998 Grafik-Design. Seither lebt er freischaffend.
 
„Menschen, Objekte, Tiere und Landschaften werden aus Plastiktüten, Papier oder Wachs gebildet. Sie gehen in Flammen auf, ändern ihre Farben oder wechseln den Aggregatzustand. Es sind aggressive Bilder, die zwar nicht die Aggression an sich zeigen, doch mit dem Verweis auf das Ergebnis diese unmittelbar bewusst machen. Den Hintergrund der Darstellungen bildet fast immer ein monochrom gehaltener, leerer Bühnenraum, wodurch der Künstler im Unklaren lässt, wo diese Handlungen zu verorten sind und warum sie geschehen. Durch die materielle Verfremdung alles Lebendigen geraten die Darstellungen zu Stillleben.” Claudia Emmert
 
„Eckart Hahns Werke strahlen trotz ihrer schwer zu enträtselnden Ab- und Hintergründigkeit eine geheimnisvolle Ruhe und Gelassenheit aus. Nichts erscheint in ihnen zufällig oder willkürlich. Es ist eine durchkomponierte und vom Künstler in allen Teilen beherrschte Bildwelt. Auf der Basis einer hohen handwerklichen Präzision werden die Motive in voller Ernsthaftigkeit und Detailgenauigkeit präsentiert. Der Künstler ist ein Virtuose in der Darstellung von Stofflichkeiten, verbunden mit einer subtilen Lichtführung, die den stumpfen und eher nüchternen Eigenschaften der Acrylfarbe bemerkenswerten Glanz abringt.“

 

 

La Familia, 2008, Acryl auf Leinwand, 170x120cm

Eckart Hahn ist ein gegenständlich malender Künstler, der stilistisch dem Surrealismus nahe zu sein scheint. Malerisch erforscht er archetypische Bilder und kollektiven Momente und versucht sie in Übereinstimmung zu bringen. Hahn nennt dies „Bilder auf die Kippe“ stellen. Mit einer Abstraktion der Merkmale von Gegenständen und Geschehen auf inhaltlicher Ebene, füllt er alte Themen mit neuem Sinn und malt uns in seinem Werk ein gesellschaftliches Traumtagebuch.

Folgend, im Gespräch mit proud geäußerte Gedanken zu den abgebildeten Bildern.

La Familia:

La Familia ist ein klassisches Familienbild aus dem 19 Jahrhundert. Es ist das Zeichen einer Struktur. Solche Manifeste sind in Auflösung begriffen. Früher war das irgendwie klar, man hat geheiratet, die Frau ist zu Hause geblieben, man hat Kinder gehabt und fertig. Das ist heute alles verschwunden. Das sind alles Dinge, die man neu erfinden muss. Im Prinzip ist das Verbrennen alter Vorstellungen auch eine Art Befreiung, wenngleich manchmal auch schmerzhaft. Unsere Zeit ist so, dass man sehr viel über sich selber wissen muss, um entscheiden zu können. Denn man kann sich heute sehr wenig an den Vorgaben der Tradition ausrichten. Wir alle haben generell eine Sehnsucht nach großen Bildern – wir wollen einfach die große Liebe finden, eine Heimat haben, irgendwo geerdet sein und trotzdem sind wir weit davon entfernt, das ganz genau benennen zu können.

 

Madonna, 2009, 80x60cm

Tütenmännchen:

Ausgangsidee war, etwas zum abgedroschenen Thema Porno im weitesten Sinne zu machen, der alte Hut, Pornoästhetik. Da hab ich zunächst Menschen als Tüten dargestellt, auch wegen der Distanz. Im Nachhinein ist dann etwas sehr Intimes daraus geworden. Ich bin ganz erstaunt gewesen, wie diese Müllsäcke in den etwas sonderbaren Arrangements Würde und Ästhetik gewonnen haben. Das, was ich da gespürt habe, habe ich dann mit verschiedenen Themen durchdekliniert. So die Heiligenfigur oder die Madonna, wo Tüten als Metapher für etwas dienen, was verschwunden ist, aber trotzdem tief in uns eine Größe besitzt.

Beauty, 2008, Acryl auf Leinwand 170x190cm

Beauty

Bei dem Bild Beauty hab ich mir im Internet Explosionen angeschaut, die man heute ja überall sieht. Beauty ist aus dem Gedanken entstanden, die uns täglich begleitenden Bilder von Explosion und Zerstörung eine m System zuzuordnen, oder eher einer Art Spezies, in der all die Merkmale enthalten sind die wir auch in unserer Gattung Mensch erkennen. Wenn man die Ästhetik und Faszination von so etwas, wie der Destruktion nicht anerkennt, wird man auch nie in irgend einer konstruktiven Weise darüber nachdenken können. Es geht einfach um eine vorbehaltlose Betrachtung der Dinge. Auch in der Zerstörung liegt eine Verwandlung, wie beim Feuerwerk.

Snowing, 2009, Acryl auf Leinwand, 50x40cm

Snowing:

Ich war im Baumarkt und da standen diese Tannenbäume herum. Eigentlich war gleich dieses Bild mit der Farbe da. Ich hab also hier im Atelier dann einen Eimer Dispersionsfarbe darüber gekippt, das ist ja irgendwie eine fast verzweifelte Geste, weiße Weihnachten herzustellen. Da geht es weniger um das Weihnachtsfest und Christus Geburt, viel mehr um ein großes Klischee: nämlich weiße Weihnachten. Weihnachten bedeutet für uns alle Behaglichkeit und Vertrautheit. So einen kollektiv großen Moment aufzugreifen und eben mit meinen Mitteln darzustellen, beschäftigt mich, vor allem die künstlich Herstellung davon.