Jochen Görlach

Die erste Reaktion auf diese Malerei lautet unisono: altmeisterlich. - Tatsächlich profitieren die Werke Jochen Görlachs von einer intensiven Auseinandersetzung mit der Barockmalerei. Ihn fasziniert besonders die durch Caravaggio etablierte Hell-Dunkel-Malerei, das Chiaroscuro.
 
Das Obskure bildet die motivische wie ideelle Grundlage der Werke Görlachs. Seine überwiegend jugendlichen Figuren, meist einzeln, selten in Gruppen agierend, erscheinen aus der Dunkelheit wie die Nummern eines Imaginariums; bar aller Zusammenhänge gestatten sie ausschließlich anhand ihrer persönlichen Attribute und Attitüden eine Zuordnung durch den Betrachter.
 
Diese Auftritte, scheinbar aus dem Nichts heraus, evozieren ein beträchtliches Pathos. Der Künstler steigert es gern noch etwas weiter – da ist von „Gegenseite“, einem „Pharmazeuten“ und „Blutsbrüdern“ die Rede – und löst es dann, kurz vor der Unerträglichkeit, durch fein gesetzte Banalitäten geistvoll auf. Die Schöne in der Nacht trägt eine Rolle Papier bei sich, soso...
 
Nach einem Gastsemester an der Ècole des Beaux-Arts Paris wendete Jochen Görlach (*1970 in Reutlingen) sich der Malerei von ihrer ganz praktischen Seite zu – er machte eine Ausbildung zum Restaurator. Bei dieser Gelegenheit kam er mit den Feinheiten der Lasurtechnik in Berührung. Er verwendet sie heute in seinen Bildern und legt besonderen Wert auf feinste Nuancen des Inkarnats.