Hans-Christian Schink im MKM Museum Küppersmühle Duisburg

01.07.2011

Hans-Christian Schink
Fotografien von 1980 bis 2010
Werkschau im MKM Museum Küppersmühle für Moderne Kunst Duisburg
1. Juli bis 3. Oktober 2011

Zur Eröffnung am Donnerstag, den 30. Juni 2011 um 19.30 Uhr laden wir Sie und Ihre Freunde herzlich ein.


Hans-Christian Schink (* 1961) hat in drei Jahrzehnten künstlerischen Schaffens die deutsche Fotografie geprägt. Er wurde mit zahlreichen internationalen Preisen und Stipendien geehrt und ist weltweit in öffentlichen und privaten Sammlungen vertreten.




H.C. Schink, A 20 - Peenebrücke Jarmen, aus: VDE (Verkehrsprojekte Deutsche Einheit)
2002, C-Print/Diasec, 178 x 211 cm und 121 x 143 cm, Auflage 5 + 3 + 2AP



In der Präsentation der Sammlung Ströher im MKM Museum Küppersmühle für Moderne Kunst Duisburg sind seit vielen Jahren Werke von Hans-Christian Schink zu sehen. Vom 1. Juli bis 3. Oktober 2011 widmet das Museum dem Künstler in Kooperation mit der Klassik Stiftung Weimar die erste umfassende Ausstellung seines Gesamtwerks. Rund 100 zumeist großformatige Arbeiten bieten einen repräsentativen Überblick.


Hans-Christian Schink studierte ab 1986 Fotografie an der Hochschule für Grafik und Buchkunst in Leipzig und war dort von 1991 bis 1993 Meisterschüler. Ein Schwerpunkt seiner Arbeit liegt in die Beschäftigung mit den Übergängen von Natur und Kultur. Seine Motive findet Schink sowohl in der nächsten Umgebung wie auch auf gezielten Reisen über die ganze Welt, von Japan über die USA bis in die Antarktis. Ein weiterer Schwerpunkt ist die Auseinandersetzung mit der fotografischen Wiedergabe von Licht, Lichtstimmungen und Lichtphänomenen. Hans-Christian Schink nutzt die dem Material immanenten fotografischen Prozesse und Techniken wie beispielsweise extreme Vergrößerung (und daraus folgende Grobkörnung des Motivs) oder Solarisationseffekte.





H.C. Schink, LA Night #10, 2003, C-Print/ Diasec, 178 x 229 cm oder 121 x 155 cm, Auflage 5 + 3 + 2AP



Erstmals werden in der Duisburger Ausstellung auch kleinformatige Schwarz-Weiß-Arbeiten aus den frühen 1980er Jahren und erste Farbfotografien aus der Studienzeit des Künstlers gezeigt. Ganz in der Tradition der kritisch dokumentierenden Fotografie in der DDR nahm Hans-Christian Schink zunächst vor allem Szenen des alltäglichen Lebens in den Städten Leipzig, Erfurt und Halle auf. Zugleich aber interessierten ihn auch architektonische Details und gebaute Arrangements, deren abstrakte Bildqualitäten er in seinen Fotografien fixierte. Während seines Studiums an der Hochschule für Grafik und Buchkunst in Leipzig entdeckte er für sich die Farbfotografie und das Arbeiten mit der Großformatkamera, zunächst in der Serie „Leipziger Bäder“ (1988), deren leere, abgenutzte Innenräume markante Zeugnisse der Vergangenheit darstellen. Seit dieser Zeit existieren in Schinks Bildern Menschen fast nur noch durch die Spuren ihrer Eingriffe in die Umwelt.




Hans-Christian Schink, Seehausen, 1996, C-Print/Diasec, Auflage 5




Über den Zeitraum von 1995 bis 2003 entwickelte Hans-Christian Schink die inhaltlich und formal sehr streng gefasste Serie „Wände“. Er richtete seinen Blick frontal auf die Fertigarchitektur von Gewerbebauten und löste diese Architekturansichten in monochrome Farbflächen auf. Nur schmale Details an den Rändern der BIlder deuten dabei an, was wir eigentlich sehen. Die Architektur scheint in nahezu abstrakten bildnerischen Qualitäten auf, die ein Pendant in der Farbfeldmalerei haben.

Ein Fokus der Ausstellung liegt auf der Serie „Verkehrsprojekte Deutsche Einheit“ (1995-2003), mit der der Künstler weltweite Aufmerksamkeit in Ausstellungen und Publikationen erlangt hat. Sie hat den gewaltigen Wandel in der Landschaft durch den Ausbau des Autobahn- und Schienennetzes in Ostdeutschland zum Thema. Hans-Christian Schink schreibt selbst dazu: „Erst als Nutzer der neuen Verkehrswege machte sich mir die Veränderung in der Wahrnehmung der Landschaft wirklich bemerkbar. Und nur in der Rolle des scheinbar unbeteiligten Beobachters ließ sich die ambivalente Faszination, die von den Bauwerken des beschleunigten Fortschrittes ausgeht, mit Motiven verbinden, die Bezug auf einen romantischen Naturbegriff nehmen.“




Hans-Christian Schink, Ba Be 1, 2005, C-Print/Diasec, Auflage 8




Hans-Christian Schink findet seine Motive gezielt auch auf Reisen außerhalb Europas, zu zum Beispiel in Peru (2004), Vietnam (2005), Japan (2009) oder der Antarktis (2010). Dabei geht es ihm nicht um die Darstellung von exotischen Landschaften oder Motiven. Ihn interessieren die Übergänge, Korrespondenzen und Dialoge zwischen von Menschenhand geschaffenen Strukturen und Natur und Landschaft. Im Rückgriff auf Kompositonskonzepte der Romantik finden Hans-Christian Schinks Reise-Fotografien ihre atmosphärische Dichte und arbeiten zugleich die zivilisatorischen Brüche im heutigen Naturverständnis heraus.

Dem durch Filmbilder wie eine moderne Ikone in unser Bildgedächtnis eingeschriebenen Blick auf die Stadt Los Angeles setzt Hans-Christian Schink mit seiner Serie „L.A. Nights“ (2002/03) eine ganz eigene Interpretation entgegen. Auf empfindlichem Kleinbildfilm fotografiert und anschließend in enormer Vergrößerung abgezogen, werden die Lichtpunkte und das Dunkel in ihrer vielfarbigen Körnigkeit zu pointillistischen Stimmungsträgern, die sowohl das Medium Fotografie reflektieren, als auch die Stadt Los Angeles in ihrer vielschichtigen Künstlichkeit repräsentieren.




Hans-Christian Schink, 2/26/2010 7:54 am - 8:54 am S: 36°49.622' E: 175°47.340', 2010,Silbergelatine-Abzug, Auflage 8



Die spektakuläre Serie „1h“ (2002-2010), für die Schink 2008 den ING Real Photography Award erhielt, vereint unterschiedliche Aspekte seines Schaffens: das Interesse an Naturphänomenen und Lichtsituationen und die Reflektion über die „Abbildbarkeit von Wirklichkeit“ durch das Medium Fotografie. Schink fotografiert für die Serie die Sonne an verschiedenen Orten der nördlichen und südlichen Erdhalbkugel, in Stadt-, Wüsten-, Meeres- und Gebirgslandschaften und mit der Belichtungszeit von einer Stunde. Durch die Dauer und Lichtintensität ergibt sich dabei ein für das menschliche Auge nicht wahrnehmbares Phänomen, das erst in der Aufzeichnung durch die analoge Fotografie (als Solarisation) sichtbar wird: ein schwarzer Sonnenbalken, umgeben von einer hell strahlenden Korona. Es entstehen Schwarz-Weiß-Fotografien, die eine geradezu unwirkliche Erscheinung der Wirklichkeit sichtbar machen und dem Betrachter Natur im Schwebezustand zwischen Vorstellung und Darstellung präsentieren.

Das Museum Küppersmühle für Moderne Kunst in Duisburg präsentiert in der Ausstellung „Hans-Christian Schink. Fotografien von 1980 bis 2010“ Werke aus allen Schaffensphasen des Künstlers und macht dadurch erstmals die Entwicklung der künstlerischen Handschrift von Hans-Christian Schink eingehend anschaulich.

Am Donnerstag den 7. Juli 2011 findet im MKM ein Künstlergespräch mit Hans-Christian Schink statt.


MKM Museum Küppersmühle für Moderne Kunst
Innenhafen Duisburg
Philosophenweg 55
47051 Duisburg

Öffnungszeiten:
Mittwoch 14-18 Uhr
Donnerstag bis Sonntag 11-18 Uhr