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Vanitas (lat. „leerer Schein, Nichtigkeit, Eitel- keit“; auch „Lüge, Prahlerei, Misserfolg oder Vergeblichkeit“) steht in der jüdisch-christ- lichen Vorstellung für die Vergänglichkeit alles Irdischen. Die Fotografin Anna Kant dekliniert den Begriff auf ganz ei- gene Weise. Sie fotografiert sich selbst, nackt oder verkleidet, bemalt, mit zahlrei- chen Requisiten, in verschiedenen, teils abenteuerlichen Settings. Die auf ers- ten Blick erotischen und außerordentlich ästhe- tischen Aufnahmen offenbaren bei genau- erem Hinsehen ein beeindruckendes Dia- rium seelischer Zustände von Euphorie bis Verzweiflung.

Der Akt des Fotografierens ist bei Anna Kant performativ, mit der Linse als einzigem zugelassenen Zeugen. Ihre Inszenierun- gen sind stets aufwendig vorbereitet, aber improvisiert in der Ausführung: Auf Hilfs- mittel wie Fernauslöser verzichtet sie ganz bewußt. Kamera, Stativ und Selbstauslöser, zehn Sekunden Zeit für die entscheidende Pose, Sprung ins Bild. Neben der geplan- ten Attitüte bleibt somit immer ein Spaltbreit Raum für das Spontane, Unverstellte, Ab- gründige. Und das macht ihre Bilder so au- ßerordentlich faszinierend.

Ihre erste Folge „Tzack Boom Bonjour“ setzte sich mit bekannten Fotografen aus- einander. Neben Man Ray, Helmut Newton und Bettina Rheims zählen auch Inez van Lamsweerde, Nan Goldin, Günter Rössler, Jan Saudek sowie Nobuyoshi Araki zu ihren Favoriten. Ähnlich, wie Studenten klassi- scher Akademien die Werke großer Meister kopierten, folgte die junge Künstlerin ihren Idolen. Das machte die Sache komplex. Sie musste reflektieren, was ihre Vorbilder such- ten, welche Obsessionen sie auslebten und welche fotografischen und künstlerischen Mitteln sie anwendeten.

Kants jüngste Serie „Love“ entfernt sich zu- nehmend vom eigenen Abbild. Sie bringt Accessoires ins Bild, die Faszination und Ekel evozieren: Tierleichen, innere Organe, Augäpfel. Wieder spielt sie mit dem Begriff der Vanitas, erschließt das Thema jedoch von seiner dunklen Seite her und gewinnt daraus eine außerordentliche ästhetische Kraft.