Nguyen Xuan Huy

Nguyen Xuan Huy malt und zeichnet virtuos. Auf diesem akademischen Polster könnte der Künstler komfortabel ruhen – verzichtet aber darauf. Das macht seine Werke schwierig und spannend.
 
Sein Herkunftsland, das postkommunistische Vietnam, stellte Nguyen als dionysischen Umzug dar, die Protagonistinnen nackt und deformiert vom Gen-Gift Agent Orange, dem Rausch des neuen Turbokapitalismus verfallen. Die Szenerien der großformatigen Leinwände zitieren kenntnisreich die Kunstgeschichte: Goya, Bosch und Botticelli erfahren unerwartete Neuinterpretationen.
 
Nach fast zwei Jahrzehnten in Deutschland ist der Künstler in seiner zweiten Heimat mental angekommen. Seine neuen Bilder sind nicht weniger drastisch als seine asiatischen Panneaus, aber vielschichtiger und auf europäisches Format reduziert. Düstere Landschaften und trostlose Interieurs haben die ehemals weißen Hintergründe abgelöst. Die Dargestellten scheinen meist einsam vor Webcams zu posen, vertieft in die Kommunikation mit Maschinen. Nguyen Xuan Huy malt Frauen mit zusammengewachsenen Zungen, herausgerissenen Herzen, als Mischwesen und Zielscheibe, aufgespreizt und exponiert. Kunsthistorische Zitate kommen kaum vor - wer versteht sie noch? Es scheint, als sei ein neues dunkles Zeitalter heraufgezogen. Nguyens weibliche Bildfiguren konnte man stets als Allegorien der Zivilisation begreifen. Nun erscheinen erstmals auch Männer. Ein Menetekel?