Timeskip
Hiroyuki Masuyama

Timeskip
9. September 2022 - 26. November 2022
Frankfurt


Die Kunstwerke von Hiroyuki Masuyama (1968 in Tsukuba/Japan) verschieben Zeit und Raum auf phantastische Weise. Masuyama fotografiert Landschaften, in denen alle Jahreszeiten zugleich herrschen, umrundet die Welt in wenigen Augenblicken oder beamt uns ins All. Zeitreisen sind für den Maler, Zeichner, Bildhauer und Fotografen mehr als eine fiktionale Möglichkeit. Sie bringen ihn in Kontakt mit Künstlerkollegen der Vergangenheit. Mit Vorliebe besucht Masuyama die Epoche der europäischen Romantik.

Joseph Mallord William Turner (1775/1851) reiste zwischen 1802 und 1844 mehrmals von England nach Italien. Masuyama folgt den Spuren des romantischen Malers des Lichts und der Atmosphäre von London nach Venedig. Er fotografierte an den Orten, wo Turner seine Studien malte. Aus hunderten Einzelfotos komponierte er die Werke des großen englischen Meisters nach und läßt uns ihre Faszination in zeitgenössischer Form neu erleben.

„Vor Augen steht dann ein Gemälde, das seine motivischen Anlässe, die konkret sind, ins abstrakte Gefüge einer konstruierten Totale überführt. Diesem Gestaltungsgrundsatz der romantischen Malerei ist auch William Turner gefolgt. Sein Leitsatz hieß: ‚Es ist die Aufgabe des Landschaftsmalers, das, was in der Natur schön und in der Kunst bewunderungswürdig ist, auszuwählen, zu kombinieren und zu konzentrieren‘. Masuyama erkennt darin das moderne Montageprinzip und übernimmt es für seine Bilder, ganz gleich, ob er Blumenfelder oder Panoramen ausbreitet oder Räume in Bildschichten definiert oder das Aquarell eines Vorgängers untersucht. Tut er es, kopiert er das historische Vorbild nicht, sondern er übernimmt dessen Konzept, um statt der Kopie den Anschein einer Kopie herzustellen. Die Verwirbelung von fotografierten Realitätsfragmenten erschafft ein neues Bild zu einem alten Bild, das selbst aus der Verwirbelung seiner Komponenten hervorging. Die Fotografie, die vorgibt, Malerei zu sein, hört dabei auf, als Foto zu wirken.

Die auf diese Art verschmolzenen Zeitebenen verdeutlichen einmal mehr: Kunst hat immer nur eine Gegenwart. Es ist die, in der das Denken über sie stattfindet."
Michael Freitag



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