Nous allons couler!
Franziska Maderthaner
Die österreichische Künstlerin Franziska Maderthaner verwebt gegenständliche mit abstrakter Malerei. Sie beherrscht ihr Medium virtuos. Kenntnisreich verwendet sie in ihren Gemälden Zitate aus der Kunstgeschichte. Zeitgenössische Themen wiederum behandelt sie mit barocker Opulenz und rokokohafter Raffinesse.
Nach dem Besuch des Akademischen Gymnasiums studierte Franziska Maderthaner 1980 bis 1985 an der Universität für angewandte Kunst Wien Kunstpädagogik bei Herbert Tasquil. Sie lernte Joseph Beuys kennen und schrieb ihre Diplomarbeit über seine „Freie Internationale Universität. Objektivierungsversuch des Organs für die soziale Skulptur von Joseph Beuys.“
Von 1985 bis 1986 studierte sie Grafik bei Oswald Oberhuber. Von Juni 1984 bis März 1985 war sie Assistentin von Martin Kippenberger. Seit 1984 nimmt Franziska Maderthaner an Ausstellungen teil. Nach dem Studium arbeitete die Künstlerin an diversen Filmprojekten und Theaterproduktionen mit. Seit 2000 ist sie außerordentliche Professorin für Malerei und Grafik an der Universität für angewandte Kunst Wien. Von 2004 bis 2006 amtierte sie als Vorsitzende der IG Bildende Kunst in Österreich. 2026 wurde sie zur neuen Vizepräsidentin des Künstlerhauses in Wien gewählt.
Franziska Maderthaner
Horsepower
2026
Öl und Acryl auf Leinen
170 x 200 cm
Franziska Maderthaners Werke verknüpft gestisch, abstrakte Malerei mit gegenständlichen, realistischen Motiven. Sowohl zeitgenössische Themen wie auch Sujets aus der Kunstgeschichte wachsen aus den amorphen Farbwelten. „Horsepower“ entfaltet eine geradezu gewalttätige Dynamik. Beim genauen Hinsehen erkennen wir einen Zentaur, der eine Frau entführt, während der stürzende Herkules noch versucht, das Mischwesen aufzuhalten. Der Mythos von Zivilisation versus Natur wir hier gekonnt umgesetzt.

Franziska Maderthaner
Lady Terflinta
2026
Öl und Acryl auf Leinen
200 x 160 cm
„Lady Terflinta“ ist ein verwirrendes Doppelportrait der gleichen Frau. Die Arbeit verweist auf jede Frau, die in sich Denkansätze sowohl einer TERF (Trans-Exclusionary Radical Feminist) als auch einer FLINTA (Frauen, Lesben, Intergeschlechtliche, Nichtbinäre, Trans und Agender Personen) trägt, wie auch die Künstlerin selbst.

Franziska Maderthaner
Unterwerfung
2025
Öl und Acryl auf Leinen
160 x 200 cm
„Unterwerfung“ nimmt Bezug auf Michel Houellebecqs bekanntesten Roman. Eine menschliche Gestalt, auf erbärmliche Weise in einer Schubkarre transportiert, ist mit virtuos gemalten schimmernden Stoffen verhüllt. Ein Hinweis darauf, dass bestimmte Ideologien und Religionen heute immer noch Frauen als Sklavinnen, als Gegenstände betrachten und behandeln.

Franziska Maderthaner
Wart's ab
2024
Öl und Acryl auf Leinen
100 x 120 cm
„Wart’s ab!“ rollt das Motiv der Sphinx neu auf, ihre Geduld und ihre Verschlagenheit. Die Künstlerin kombiniert einen Hundekörper (Dalmatiner) mit einem weiblichen Haupt, das wir mit dieser Flügelhaube bereits bei dem Flamen Rogier van der Weyden (um 1440) gesehen haben. Sie nutzt die Komposition zu einer malerischen Machtdemonstration – Porträt, Tieranatomie, Texturen und abstrakter Hintergrund sind glänzend bewältigt.

Franziska Maderthaner
Paradise
2026
Öl und Acryl auf Leinen
120 x 150 cm
In Franziska Maderthaners „Paradies" wurde der Sündenfall bereits vollzogen und die Schlange wechselte frei nach Freud vom Baum an Adams Vorderseite. Der Übergang von der Lasurmalerei der Figuren zum abstrakten Umfeld ist fließend.

Franziska Maderthaner
Nous allons couler!
2025
Öl und Acryl auf Leinen
200 x 160 cm
Der Satz „Nous allons couler” („Wir werden untergehen“) wird Marie Antoinette zugeschrieben, welche im Zuge der französischen Revolution unter der Guillotine starb. Die großartig gemalte Frauengestalt trägt ein Kleid, wie es Ende des 18. Jahrhunderts Mode war. Aktuell wird die Wendung im Zuge der französischen Migrationsdebatte verwendet. Sie steht gleichzeitig für den steigenden Meeresspiegel und die Klimakrise.
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